Zucht [Allgmeine Zuchtziele]
   
 
 Bayerisches Warmblut

Die Zucht von Reitpferden hat in Bayern eine lange Tradition.

Die ersten Aufzeichnungen über Rottaler Pferde stammen aus dem Mittelalter. Seitdem hat sich das Pferd über alle Höhen und Tiefen der Geschichte zu einem modernen Sportpferd entwickelt. Im Zuchtziel ist die Eignung für den großen Sport verankert, aber auch Werte wie Charakter, Temperament und Rittigkeit dürfen nicht vernachlässigt werden.

Etwa 13 Millionen Deutsche haben in einer Umfrage geäußert, dass sie gerne reiten würden, wenn sie Zeit und Gelegenheit hätten. Auch in Bayern gibt es über 100000 Mitglieder in 905 Reitvereinen. Die Züchter bemühen sich, diesen Reitsportbegeisterten die entsprechenden Pferde zur Verfügung zu stellen. Etwa 5000 Stuten und 260 Hengste sind im Zuchtbuch des Verbandes eingetragen. Über ein klar definiertes Zuchtprogramm versucht man, die hohen Ansprüche der Sport- und Freizeitreiter zu befriedigen.

Zum Zuchtprogramm gehören die Beurteilung der äußeren Erscheinung, aber auch Eigenleistungsprüfungen und Prüfungen auf Charakter und Gesundheit. Auf dieser Basis wird streng selektiert, damit nur die besten Pferde in der Zucht bleiben und die nächsten Pferdegenerationen liefern können.

Über die künstliche Besamung besteht heute die Möglichkeit, Leistungsgene aus der ganzen Welt in der bayerischen Zucht einzusetzen. Internationale Sportpferde zu züchten ist nicht Zufall. sondern gründet sich auf breiter Zuchtbasis mit Selektion auf der Vater- und der Mutterseite.

ZUCHTZIEL

Rasse
Bayerisches Warmblutpferd

Herkunft
Ein in Bayern geborenes Warmblutpferd aus bodenständigen Warmblutschlägen und aus europäischen Reitpferdezuchten abstammend.

Ziel der Zucht des Bayerischen Warmblutpferdes ist es, im Wettbewerb bezüglich der Qualität der Zuchttiere der Reitpferdezuchten Europas erfolgreich zu sein. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Rittigkeit zu legen.

Farbe
alle Farben

Größe
Erwünschte Größe 158 cm - 170 cm Stockmaß

Typ

Erwünscht ist:
das Erscheinungsbild eines eleganten, großlinigen und harmonischen Reitpferdes.
Hierzu gehören ein trockener und ausdrucksvoller Kopf mit großem Auge, gut geformte Halsung, plastischer Bemuskelung sowie korrekte, klare Gliedmaßen. Zuchthengste und -stuten sollen über einen deutlichen Geschlechtsausdruck verfügen.

Unerwünscht ist insbesondere:
ein derbes, plumpes, unsportliches Erscheinungsbild, ein grober Kopf,  verschwommene Konturen, unklare Gelenke und bei Zuchtpferden fehlender Geschlechtsausdruck.
Ein Stockmaß von unter 158 cm.

Körperbau
Erwünscht ist:
ein harmonischer, für Reitzwecke jeder Art geeigneter Körperbau.
Dazu gehören:
eine mittellange, sich zum Kopf hin verjüngende Halsung, gute Ganaschenfreiheit, leichtes Genick, eine große, schräg gelagerte Schulter, ein markanter, weit in den Rücken hineinreichender Widerrist, ein mittellanger, gut bemuskelter Rücken, der in der Bewegung Schwingung, Tragkraft und Gleichgewicht vereint, ausreichende Brusttiefe, eine lange, leicht geneigte, kräftig bemuskelte Kruppe, eine harmonische Rumpfaufteilung in Vor-, Mittel- und Hinterhand.

Erwünscht ist weiterhin:
ein zum Körperbau passendes, trockenes Fundament mit korrekten, großen Gelenken, mittellangen Fesseln und wohl geformten Hufen, das eine lange Gebrauchsfähigkeit erwarten läßt.

Außerdem eine korrekte, d.h., von hinten und vorn gesehen, gerade Gliedmaßenstellung, ein von der Seite gesehen geradegestelltes Vorderbein und ein im Sprunggelenk mit etwa 150 Grad gewinkeltes Hinterbein sowie eine jeweils gerade Zehenachse mit etwa 45 bis 50 Grad zum Boden.

Unerwünscht ist:
ein insgesamt unharmonischer Körperbau, insbesondere eine kurze, schwere oder tief angesetzte Halsung, schweres Genick, eine kleine, steile Schulter, ein kurzer oder wenig markanter Widerrist, ein zu kurzer oder überlanger weicher Rücken, eine feste oder aufgewölbte Nierenpartie, eine kurze oder gerade Kruppe mit hohem Schweifansatz, geringe Brusttiefe und hochgezogene Flanken mit kurzer Hinterrippe sowie unkorrekte Gliedmaßen.
Hierzu gehören:
kleine, schmale oder eingeschnürte Gelenke, schwache Röhrbeine und kurze, steile oder überlange weiche Fesseln sowie zu kleine Hufe, insbesondere mit nach innen gerichteten Trachten.

Unerwünscht sind weiterhin:
insbesondere zehenweite, zehenenge, bodenweite, bodenenge, rückbiegige, steile und säbelbeinige, kuhhessige oder faßbeinige Gliedmaßenstellungen.

Bewegungsablauf

Grundgangarten
Erwünscht sind:
fleißige, taktmäßige und raumgreifende Grundgangarten (Schritt 4-Takt, Trab 2-Takt, Galopp 3-Takt).
Der Bewegungsablauf im Schritt soll losgelassen, energisch und erhaben sein bei klarem Ab- und Auffußen.
Der Bewegungsablauf im Trab und Galopp soll bei klar erkennbarer   Schwebephase elastisch, schwungvoll, leichtfüßig, getragen und mit natürlicher Aufrichtung und Balance ausgestattet sein. Der aus aktiv arbeitender, deutlich abfußender Hinterhand entwickelte Schub soll über einen locker schwingenden Rücken auf die frei aus der Schulter vorgreifende Vorhand übertragen werden. Etwas „Knieaktion“ ist erwünscht. Insbesondere der Galopp soll einen deutlich vorwärts-aufwärts gesprungenen Ablauf aufweisen.

Unerwünscht sind insbesondere: 
kurze, flache und unelastische Bewegungen bei festgehaltenem Rücken sowie schwerfällige, auf die Vorhand fallende oder untaktmäßige Bewegungen; sowie schwankende und schaukelnde oder deutlich bügelnde, drehende, bodenenge, zehenenge, bodenweite bzw. zehenweite Bewegungen.

Springen
Erwünscht ist:  
ein geschicktes, vermögendes und überlegtes Springen, welches Gelassenheit und Intelligenz erkennen läßt.
Im Ablauf sind deutliches Sich-Aufnehmen, ein schnelles Abfußen beim Absprung, ein ausgeprägt schnelles Anwinkeln der Gliedmaßen (möglichst waagerechte Haltung des Unterarmes über dem Sprung),  ein aufgewölbter Rücken bei deutlich hervortretendem Widerrist und   abwärts gebogener Halsung mit sich öffnender Hinterhand (Bascule)    erwünscht.
Beim Gesamtablauf soll der Fluß der Bewegung und der Rhythmus des  Galopps erhalten bleiben.


Unerwünscht ist insbesondere:

ein unkontrolliertes oder auch unentschlossenes Springen mit hängenden Beinen, hoher Nase über dem Sprung, verbunden mit einem weggedrückten Rücken, bei dem der Fluß der Bewegung und der Rhythmus des Galopps verloren geht.


Innere Eigenschaften/Gesundheit
Erwünscht ist:
ein unkompliziertes, umgängliches, gleichzeitig einsatzfreudiges, nervenstarkes und verläßliches Pferd, das einen wachen, intelligenten Eindruck macht und durch sein Auftreten und Verhalten gute Charaktereigenschaften sowie ein ausgeglichenes Temperament erkennen läßt.

Erwünscht ist weiterhin:
robuste Gesundheit, gute physische und psychische Belastbarkeit, natürliche Fruchtbarkeit und das Freisein von Erbfehlern.

Unerwünscht sind insbesondere im Umgang schwierige, nervöse, heftige Pferde.

Leistungsveranlagung
Erwünscht ist:
ein rittiges, vielseitig veranlagtes, leistungsbereites und leistungsfähiges, für Reit- und Sportzwecke jeder Art geeignetes Pferd, insbesondere für die Disziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit.

Zur Erkennung der Leistungsveranlagung werden im Alter von mindestens drei Jahren oder vor der Zuchtbucheintragung folgende Merkmale überprüft:

- Charakter und Temperament
- Rittigkeit
- Grundgangarten
- Springen.

Bei der Körung und Zuchtbucheintragung können Freilaufen und -springen überprüft werden.